Montag, 30.05.2005

Eingeschwebt:    26 Rohre mit 1,5 Metern Durchmesser

 werden in den Untergrund neben der Brücke geschoben.

                                           FOTOS: SANGERHAUSEN

Wie Nägel durch zwei Bretter

Unter der Fuldatalbrücke werden die Gesteins-

schichten aneinander befestigt

 

MALSFELD/BEBRA. Die hydraulisch bewegten Arme ruckeln hin und her. Das Eisenrohr mit 1,50 Metern Durchmesser hat die tonnenschwere Maschine dabei fest im Griff. Zentimeter für Zentimeter frisst sich die Röhre in den Untergrund. Schön gerade muss die Bohrung sein, weswegen der eine Arbeiter ständig mit der Wasserwaage nachmisst,

-------------------------------------------------------------Rohr frisst sich Zentimeter

für Zentimeter in den Boden

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während der andere am Joystick die Richtung korrigiert. Geht es nicht mehr weiter, kommt der Schalengreifer zum Einsatz: Am Kran herabgelassen fährt das Gerät in das Rohr und holt die Erde herauf. Das nächste Rohr wird aufgesetzt. Stück für Stück wird das Loch auf diese Weise 20 Meter tief. Die Aufgabe für die Firma Himmel und Papesch laute, "eine geologische Störzone durch Großbohrpfähle zu verdübeln", sagt Oberbauleiter Andreas Storch. Der Boden in den Schichten unter der neuen Fuldatalbrücke bei Malsfeld war ins Rutschen geraten: Unterirdisch gibt es verschiedene Gesteinsschichten, von denen eine sich in Bewegung gesetzt hatte, errechneten die Experten. Die bewegt sich augenblicklich zwar nicht, muss aber für die Zukunft gesichert werden, bevor die Brücke für den Verkehr frei- gegeben werden kann.

Die Fachfirma aus Bebra hat diese Woche mit der Arbeit begonnen. Sie wird 26 Dübel setzen, jeweils etwa 18 Meter tief. Diese sollen die Gesteinsschichten miteinander verbinden und künftiges Rutschen aufhalten. "Das ist, als ob man zwei Bretter aufeinander nagelt", erklärt Kurt Stöhr, Geschäftsführer des Zweckverbandes Interkommunales Gewerbegbiet Mittleres Fuldatal. Der Zweckverband ist Bauherr, da die Brücke Teil der Erschließung des Gewerbegebietes ist. Sie wird den direkten Weg von der Bundesstraße 83 zum Autobahnanschluss Malsfeld ebnen.

Und zwar noch im Spätsommer, ist sich Stöhr sicher. Die Brücke an sich ist fertig, lediglich der Anschluss an die Straße fehlt. Der kann erst gebaut werden, wenn die Brücke sicher steht, vielleicht auch schon, während noch die letzten Dübelarbeiten laufen. Bis dahin muss Himmel und Papesch noch tüchtig bohren.

 

Für   eine Bohrung, sagt Storch, brauche man

etwa eineinhalb      Arbeitstage. Im Schnitt

sind fünf Leute auf der Baustelle.

Samstagsarbeit werde nicht ausgeschlossen,

damit es zügig vorangeht. (TNS)

 

 Der Schalengreifer senkt sich in das Bohrloch, um Erd-

  reich nach oben zu holen.

Bewehrungskörbe heißen die riesigen Eisengeflechte,
erläutert Oberbauleiter Andreas Storch, die den unter- irdischen Betonpfeilern Halt geben.

 

 

Erst bohren, dann greifen

 

Greiferbohrverfahren heißt die Methode, mit der die Löcher gegraben werden: Die Rohre, die in den Boden gedreht werden, dienen nur zur Stabilisierung des Lochs. Sind sie in der Erde, lässt man die so genannten Bewehrungskörbe darin hinab - schwere Eisengeflechte, die dem unterirdischen Pfeiler Halt geben. Dann kommt der Beton, 35 Kubikmeter pro Pfahl. Während der Beton hineinfließt, werden die Rohre, die quasi die Verschalung gebildet haben, langsam herausgezogen. Bevor die Firma mit dem Bohren beginnen konnte, musste sie sich erst mal einen Weg zur Baustelle schaffen: Der Kran, mit dem die Rohre und die Bewehrungskörbe zur Bohrstelle gehievt werden und an dem auch der Schalengreifer hängt, wiegt 100 Tonnen und brauchte eine feste Standfläche. Sechs Meter Kettenbreite misst der Riese, der Mast kann bis zu 30 Meter ausgefahren werden. Mit 400 PS ist er an der Arbeit. (TNS)